Manchmal wissen wir nicht, warum uns etwas belastet. Es gibt kein einzelnes Ereignis, auf das wir zeigen könnten. Und trotzdem spüren wir: Da ist etwas. Im Körper, in der Erschöpfung, in der Unruhe, die nicht weichen will. In der Art, wie wir uns in Beziehungen verhalten. In den Sätzen, die wir uns seit der Kindheit erzählen. In meiner Praxis für Traumatherapie in Potsdam begegne ich Menschen, die genau dort stehen.

Dieser Artikel beschreibt, was Traumatherapie ist und für wen sie geeignet sein kann.

Was ist ein Trauma?

Das Wort „Trauma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Verletzung“ oder „Wunde“. In der Therapie meinen wir damit Erfahrungen, die unsere Fähigkeit übersteigen, das Erlebte zu verarbeiten. Das können einzelne Ereignisse sein – ein Unfall, ein Verlust, eine Gewalterfahrung. Aber es können auch viele kleine Momente sein, die sich über Jahre summieren.

Besonders das sogenannte Entwicklungstrauma wird oft übersehen. Es entsteht nicht durch ein dramatisches Ereignis, sondern durch das, was in der Kindheit gefehlt hat: Sicherheit, Zuwendung, das Gefühl, mit den eigenen Bedürfnissen willkommen zu sein. Wer früh gelernt hat, nicht zu viel zu brauchen und nicht aufzufallen, trägt diese Muster oft bis ins Erwachsenenalter – ohne sie als Folge belastender Erfahrungen zu erkennen.

Der niederländische Traumaforscher Ellert Nijenhuis, auf dessen Ansatz ich mich in meiner Arbeit stütze, beschreibt Trauma als eine Störung des Handlungsvermögens. Traumatische Erfahrungen beeinträchtigen unsere Fähigkeit, das, was uns geschehen ist, in unsere Lebensgeschichte zu integrieren. Das Vergangene bleibt gegenwärtig – nicht als Erinnerung, sondern als körperliches und emotionales Erleben. Es bleibt sozusagen in der Gegenwart aktiv.

Wenn der Körper sich erinnert

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Traumaforschung lautet: Belastende Erfahrungen hinterlassen Spuren nicht nur im Kopf, sondern im gesamten Körper. Das autonome Nervensystem reagiert auf wahrgenommene Bedrohungen – manchmal noch Jahre oder Jahrzehnte nach dem eigentlichen Ereignis.

Das zeigt sich im Alltag auf vielfältige Weise: als chronische Anspannung, als Erschöpfung, die durch Schlaf nicht besser wird, als Schreckhaftigkeit, als das Gefühl, innerlich nicht wirklich zur Ruhe zu kommen. Manche Menschen beschreiben es so: „Mein Kopf weiß, dass alles in Ordnung ist – aber mein Körper glaubt es nicht.“

In der enaktiven Traumatherapie nach Nijenhuis verstehen wir den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Handeln. „Enaktiv“ bedeutet: Wir erschließen uns selbst und unsere Umwelt durch Handeln und Erleben – nicht allein durch Denken und Verstehen. Und es bedeutet: Wir bringen unsere Umwelt selbst hervor, wir haben ein Verlangen wie z.B. Kontakt zu anderen Menschen, dem wir nachgehen wollen. Wegen dieser körperlichen Komponente reicht es in der Traumatherapie oft nicht aus, nur darüber zu sprechen, was geschehen ist. Es geht darum, dem Körper die Erfahrung zu ermöglichen, dass die Bedrohung vorbei ist. Stück für Stück.

Warum Reden allein oft nicht reicht

Viele Menschen, die mit belastenden Erfahrungen in eine Therapie kommen, haben die Erfahrung gemacht: Ich verstehe rational, was passiert ist – aber es ändert sich nichts. Das liegt nicht an mangelnder Einsicht oder fehlendem Willen. Es liegt daran, dass der Körper schneller reagiert als der Verstand.

In der Körperpsychotherapie spricht man vom Leibgedächtnis: Unser Körper speichert Erfahrungen – nicht als Erinnerungen im klassischen Sinn, sondern als Reaktionsmuster. Ein lautes Geräusch löst plötzliches Erstarren aus. Nähe erzeugt Anspannung statt Geborgenheit. Der Körper erinnert sich, auch wenn der Verstand nicht weiß, was gerade los ist.

Die Polyvagaltheorie des Neurowissenschaftlers Stephen Porges hilft zu verstehen, warum das so ist. Unser autonomes Nervensystem scannt ständig die Umgebung nach Sicherheitshinweisen – unbewusst, blitzschnell, noch bevor wir einen Gedanken fassen können. Bei Menschen mit belastenden Erfahrungen kann dieses System dauerhaft auf Alarm stehen: Der Körper reagiert auf Bedrohungen, die längst vorbei sind, als wären sie gegenwärtig.

Deshalb arbeitet Traumatherapie oftmals mit Ansätzen, die den Körper einbeziehen und die dem Nervensystem die Erfahrung ermöglichen, dass Sicherheit möglich ist. Nicht durch reine Erklärung, sondern durch Erleben.

Was passiert bei einer Traumatisierung?

Nijenhuis beschreibt einen Mechanismus, den man die strukturelle Dissoziation nennt. Das klingt fachlich, meint aber etwas sehr Menschliches.

Wenn eine Erfahrung zu überwältigend ist, um sie zu verarbeiten, findet unser Organismus eine kreative Lösung: Er teilt das Erleben auf. Ein Teil von uns funktioniert im Alltag weiter – geht arbeiten, kümmert sich um die Familie, wirkt nach außen stabil. Ein anderer Teil trägt den Schmerz, die Angst, die Hilflosigkeit – oft ohne dass wir bewussten Zugang dazu haben.

Diese Aufteilung ist keine Störung. Sie ist eine intelligente Schutzreaktion, die uns durch eine schwierige Zeit getragen hat. Problematisch wird sie erst, wenn die Schutzreaktion bestehen bleibt, obwohl die Bedrohung längst vorbei ist. Dann zeigen sich Symptome: Schlafstörungen, innere Unruhe, das Gefühl neben sich zu stehen, Schwierigkeiten in Beziehungen, Erschöpfung.

Nijenhuis formuliert es so, dass die Aufteilung eine Handlung ist, kein Symptom. Aus dieser Aufteilung heraus entstehen dann die Symptome. In dem Sinne kann man Symptome als „kreative Lösungen“ beschreiben, was man übrigens auch in der Gestalttherapie so erklären würde.

Traumatherapie in Potsdam: Mein Ansatz

In meiner Praxis verbinde ich die enaktive Traumatherapie mit Gestalttherapie, therapeutischem Schreiben und naturgestützten Verfahren. Diese Verbindung ist kein Zufall – sie folgt der Erkenntnis, dass Integration auf verschiedenen Wegen geschehen kann.

Gestalttherapie bildet das Fundament meiner Arbeit. Im Hier und Jetzt wahrnehmen, was ist. Den Kontakt zu sich selbst und zu anderen wiederfinden. In der Gestalttherapie geht es nicht darum, das Vergangene zu analysieren, sondern zu erleben, was gerade lebendig ist – und darin die Muster zu erkennen, die uns einschränken.

Traumasensible Begleitung bedeutet, dass man beachtet, wie Körper und Psyche zusammenwirken und ein Bewusstsein dafür schafft. Wichtig ist, herauszufinden wie wir dem Nervensystem helfen können, aus dem Alarmmodus herauszufinden. Traumatherapie ist kein Prozess, der sich beschleunigen lässt. Nijenhuis nutzt zur Erklärung das Bild von ausgetrocknetem Boden, der bewässert werden muss: Tropfen für Tropfen – nicht überfluten. Der Boden muss aufnehmen können, was kommt.

Therapeutisches Schreiben bietet einen besonderen Zugang: Worte finden für das, was sich bisher nicht aussprechen ließ. Schreiben schafft Abstand und Ordnung. Es macht sichtbar, was im Inneren kreist. Mein Hintergrund als Literaturwissenschaftlerin gibt mir dabei eine besondere Perspektive auf die Kraft der Sprache.

Natur als Therapieraum – Sitzungen im Freien können gerade für Menschen, die innerlich unter Hochspannung stehen, entlastend sein. Die Natur bietet, was Reizüberflutung wegnimmt: gleichmäßige Geräusche, weite Blicke, langsame Bewegung.

Für wen ist Traumatherapie geeignet?

Traumatherapie kann hilfreich sein, wenn Sie sich in einigen der folgenden Beschreibungen wiedererkennen:

  • Sie funktionieren im Alltag, aber abends ist von Ihrer Energie nichts mehr übrig. Die Erschöpfung geht über normale Müdigkeit hinaus.
  • Sie spüren alles intensiv – die Stimmungen anderer, Lärm, Veränderungen – und fühlen sich davon oft überwältigt. Vielleicht hat man Ihnen gesagt, Sie seien „zu sensibel“.
  • Sie haben das Gefühl, etwas zu tragen, das Sie nicht benennen können. Kein großes Ereignis, aber eine Spur, die sich durch Ihr Leben zieht.
  • Sie reagieren in bestimmten Situationen stärker als erwartet – mit Angst, Rückzug, Erstarren oder dem Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu halten.
  • Sie haben schon vieles versucht – Bücher, Podcasts, Entspannung– aber das Gefühl bleibt: Irgendetwas stimmt nicht.

Was Traumatherapie nicht ist

Traumatherapie ist kein Prozess, bei dem Sie das Schlimmste nochmal durchleben müssen. Im Gegenteil: Ein wichtiger Grundsatz traumasensibler Arbeit ist die Stabilisierung. Bevor wir uns belastenden Erfahrungen zuwenden, bauen wir innere und äußere Ressourcen auf. Sicherheit geht vor Konfrontation.

Nijenhuis beschreibt die therapeutische Beziehung als einen Tanz: „Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Spüren, was das Gegenüber kann und will.“ Dieses Bild leitet auch meine Arbeit. Ich bestimme nicht das Tempo – Sie bestimmen es. Meine Aufgabe ist es, den Raum zu halten und aufmerksam zu sein für das, was sich zeigt.

Traumatherapie und Hochsensibilität

Vielleicht haben Sie sich schon mal mit Hochsensibilität beschäftigt – Sie nehmen mehr wahr, verarbeiten tiefer und brauchen mehr Zeit zur Erholung.

Hochsensible Menschen erleben oft eine besonders enge Verbindung zwischen Körper und Psyche. Belastende Erfahrungen zeigen sich bei ihnen häufig vermehrt körperlich: als Anspannung, als Schlafprobleme, als Erschöpfung, die keinen offensichtlichen Grund hat. Gleichzeitig ist diese Feinfühligkeit in der Therapie eine Ressource. Wer viel wahrnimmt, hat auch einen feinen Zugang zu sich selbst.

Der erste Schritt

Vielleicht sind Sie neugierig geworden? Sie können sich gerne für ein unverbindliches Kennenlernen an mich wenden. Ein Erstgespräch in meiner Praxis dauert 30 Minuten und ist kostenfrei. Wir lernen uns kennen, und Sie entscheiden, ob es sich passend anfühlt.

Wenn Sie etwas tragen, das keinen Namen hat – aber das Sie spüren: Sie sind willkommen. So wie Sie sind, mit allem, was Sie mitbringen.

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Literaturhinweise

Nijenhuis, Ellert: Die Trauma-Trinität. Ignoranz – Fragilität – Kontrolle: Die Entwicklung des Traumabegriffs. Theorie und Praxis traumabedingter Dissoziation.

Porges, Stephen W.: Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit.